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Die etwas andere Geschichte der Wissenschaft

Filmclips 1940-1959

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1945 Das grosse Hungern (Buch 1, S. 110)

"Sind Sie bereit zu hungern, damit andere besser ernährt werden können?" stand auf dem Flugblatt, das der Biologe Ancel Keys an Zivildienstler verteilen ließ. Er wollte herausfinden, welche Wirkung Hunger hat,  und was nötig ist, um Leute, die lange Hunger litten, wieder aufzupäppeln. Für die 36 ausgewählten Testpersonen wurde das Experimente "zum wichtigsten Ereignis in ihrem Leben". Bis in die 1990er Jahre organisierten sie regelmässig Zusammenkünfte. Nach dem Experiment wollten drei von ihnen nie mehr weit weg von Essen sein: sie wurden Köche!

In diesem kurzen Dokumentarfilm kommentiert eine der ehemaligen Versuchspersonen historische Filmausschnitte.

1946 Urlaub im Durchzug (Buch 1, S. 120)

Als die Forscher der Erkältungsabteilung der britischen Regierung in Salisbury versuchten herauszufinden, wie man sich erkältet, erlebten sie eine Überraschung. Ihre Versuche zeigten, dass eine Erkältung nichts mit Kälte zu tun hat. Obwohl die meisten Leute  das bis heute nicht wahrhaben wollen, gilt diese Tatsache als medizinisch zweifelsfrei belegt.

In Salisbury ein Versuchskaninchen zu sein war besonders unter Studenten sehr populär. Die Versuchspersonen wohnten zu zweit in großzügigen Appartements, ausgestattet mit Büchern, Spielen, Radio und Telefon, vertrieben sich die Zeit mit Tischtennis, Badminton oder Golf und bekamen dafür sogar noch drei Schillinge pro Tag bezahlt. Das einzige Risiko bestand darin, sich möglicherweise zu erkälten.

Schauen Sie sich diesen amüsanten Film über die Experimente an.

1951 Sturzflug im Kotzbomber (Buch 1, S. 132)

 

 

 

Bis heute ist es niemandem gelungen, die Schwerkraft auf der Erde mit einem Gerät auch nur zu verringern, geschweige denn auszuschalten. Die einzige Möglichkeit, 35 Sekunden schwerelos zu werden, besteht darin, mit einem Flugzeug eine Wurfparabel zu fliegen. Das haben1951 Versuche mit Kampfflugzeugen gezeigt.

Später verwendete die NASA dazu die KC-135, eine umgebaute Boeing 707, die wegen der körperlichen Reaktionen der Passagiere bald Kotzbomber hiess.

Wer sich davon überzeugen will, dass in der Kabine des KC-135 während des Parabelflugs tatsächlich Schwerelosigkeit herrscht, sollte sich den Film "Apollo 13" mit Tom Hanks anschauen. Die Filmcrew hatte den Kotzbomber für die Aufnahmen gemietet.

Hier der weltbekannte Physiker Stephen Hawking, der 2007 an Bord des Kotzbombers geflogen ist.

1954 Frankenstein für Hunde (Buch 1, S. 137)

Der russische Chirurg Vladimir Demikhov hatte die erste Herztransplantation bei Hunden durchgeführt, später die erste Lungentransplantation und die erste Bypassoperation. Jetzt wagte er sich an die ultimative Transplantation: der eines Kopfes! Zwanzig mal nähte er einen Hundekopf an einen zweiten Hund, sodass zweiköpfige Monster entstanden. Die Rekordüberlebenszeit lag bei 29 Tagen.

Der Erkenntnisgewinn dieser Experimente war bereits damals umstritten, doch sie brachten Demikhov weltweiten Ruhm. Nachdem die Sowjetunion 1957 mit Sputnik den ersten Satelliten ins All geschossen hatte, galten Demikhovs Operationen als "Sputnik der Chirurgie".

1954 Der schnellste Bremser der Welt (Buch 2, S. 100)

Die tollkühnen Versuche von John Paul Stapp kosteten ihn beinahe das Augenlicht. Mit seinem Raketenschlitten beschleunigte er auf 1017 km/h und bremste denn so stark, dass er innerhalb von 1,4 Sekunden
zum Stillstand kam; es war, wie mit 100 km/h in eine Mauer zu fahren – bloß dauerte es 18-mal länger.

1955 Die Badewanne des Psychonauten (Buch 1, S. 136)

 

 

 

 

 

 

 

 

Was würde passieren, wenn man das Hirn von allen äußeren Reizen abschnitte? Wenn weder Augen noch Ohren, weder Haut noch Nase etwas zu melden hätten? Diese Frage wollte John Lilly in den 1950er Jahren beantworten. Er erfand den Isolationstank und erlebte darin Dinge, die "zu persönlich sind, als dass man sie publik machen könnte", wie er später vielsagend schrieb.

In den 1980er Jahren vermarktete Lilly seine Kreation als Samadhi-Tanks für den Hausgebrauch, die in Esoterikkreisen rasch populär wurden. Er selbst wurde ein Guru der New-Age-Bewegung, schrieb mehrere wirre Autobiografien und kombinierte seine Aufenthalte im Tank mit LSD-Trips.

Lilys Experiment kam sogar zu höheren Kinoweihen. Die Geschichte des Films "Altered States" (1980) mit William Hurt  basiert auf seinen Experimenten. Die wirklichen Experimente waren allerdings weit schlichter als ihre Hollywood-Version: Bei frühen Versuchen schaltete Lilly as Licht im Raum mit dem Tank selber aus, bevor er dann bei kompletter Dunkelheit ins Wasser stieg.

Hier können Sie eine Sequenz von "Altered States" sehen mit einem Tank, wie ihn sich die Bühnenbildner ausgedacht hatten.

Seit Lillys ersten Experimenten in den 1950er Jahren taucht sein Isolationstank immer wieder als Entspannungshilfe und Meditationsmaschine auf. Diese Aufnahmen unten stammen aus dem Jahr 2006.

1957 Die Atombombe der Psychologie (Buch 1, S. 145)

Dieses Experiment hat es zu erstaunlicher Popularität gebracht - obwohl es gar nie durchgeführt worden ist. Der amerikanische Marktforscher James Vicary behauptete, dass er Kinozuschauer in Fort Lee, New Jersey, ohne ihr Wissen den geheimen kurz eingeblendeten Befehlen "Iss Popcorn!" und "Trink Coca-Cola!" ausgesetzt hatte. Mit dem Resultat, dass der Verkauf von Coca-Cola an der Kinokasse um 18,1 Prozent gestiegen sei, jener von Popcorn um 57,5 Prozent. Später gab er zu, das Experiment nie gemacht zu haben.

Seinen bisher letzten großen Auftritt hatte Vicarys Experiment im US-Wahlkampf im Jahr 2000.  In einem Fernsehspot des Republikaners George W. Bush wurde ein sonderbarer Effekt entdecktet: Für die Zuschauer fast unsichtbar, wurde im Zusammenhang mit den Demokraten das Wort "RATS" (Ratten) über den ganzen Bildschirm eingeblendet.  Sehen Sie selbst bei 0:25.

1958 Die Muttermaschine (Buch 1, S. 149)

 

Die Stoffmutter, die der Wissenschafter Harry Harlow für seine Babyaffen baute, ist eines der enigmatischsten Objekte aus der Geschichte der Psychologie. In diesem alten Nachrichtenbeitrag erzählt er CBS-Moderator Charles Collingwood, wozu er sie gebraucht hat.